Beständige Sachwerte

Wohnst Du noch oder lebst Du schon? Die Finanzkrise zeigt es deutlich: Deutsche schätzen ihr Eigenheim wieder mehr als je zuvor. Möbelhäuser werden gestürmt und die Polstermöbelhersteller kommen mit der Produktion kaum nach. Die Menschen wollen ihr Zuhause mit Dingen verschönern, die eine "dauerhafte Wertigkeit" garantieren. Cocooning nennen Soziologen diesen Rückzug ins häusliche Leben. Und dazu gehört auch der Wunsch, dass einem die Wohnung oder das Haus, in dem man lebt, auch selbst gehört. 98 Prozent aller Mieter, die gerne kaufen würden, wollen nach einer Umfrage des TNS Emnid Instituts "unabhängig vom Vermieter" werden. 94 Prozent wollen das Geld "in die eigene Tasche zahlen". Als weitere wichtige Gründe für das Streben nach Wohneigentum nannten die Befragten den "bleibenden Wert", der vererbt werden kann (92 Prozent) und die "gute Altersvorsorge" (90 Prozent), dass das Eigentum langfristig günstiger ist als Miete (89 Prozent) sowie die "höhere Lebensqualität" (88 Prozent). Der vielfache Wunsch, in den eigenen vier Wänden zu wohnen, kommt auch im glänzenden Geschäft der Bausparkassen zum Ausdruck. Im vergangenen Jahr schloss der Marktführer LBS-Gruppe trotz - oder wegen - der Finanzkrise 1,52 Millionen Neuverträge über eine Bausparsumme von 35,78 Milliarden Euro ab. Die Landesbausparkassen konnten damit ein Plus von 12,5 gegenüber dem Vorjahr und das zweitbeste Ergebnis ihrer Geschichte überhaupt verbuchen. Sachwerte sind - vereinfacht gesagt - direkte oder indirekte Investments in Dinge, die man anfassen kann. Beispielsweise Immobilien, Edelmetalle, Aktien und auch Sammlerstücke. Das Hauptmotiv so etwas zu kaufen ist die Angst, es könnte über kurz oder lang zu einer Hyperinflation kommen, die Vermögen vernichtet. Denn angesichts der Politik der Notenbanken, die weltweit Liquidität scheinbar ohne Limit verteilen, ist das Vertrauen in das umlaufende Geld erschüttert. Doch einfach ist die Sache nicht: Es gibt auch ernstzunehmende Hinweise darauf, dass nicht Inflation, sondern Deflation zum Problem wird. Noch ist für die Volkswirte offen, wohin die Reise geht. Schon aus diesem Grund sollten Anleger weder allein auf Sachwerte noch auf Geldvermögen setzen.

Sicherheit durch Immobilien

Was versprechen sich die Menschen von einem Immobilienkauf? Die Suche nach Sicherheit steht bei vielen Mietern hinter dem Wunsch, vom Mieter zum Eigentümer zu werden. Die Unwägbarkeiten haben nicht nur in der persönlichen Lebenswelt zugenommen, z.B. im Risiko den Arbeitsplatz zu verlieren, sondern auch in Politik und Wirtschaft. Innerhalb weniger Wochen verpufften hier vermeintliche Sicherheiten zu Nichts. Wer in diesen Zeiten eine sichere Anlage sucht, kann nie ganz beruhigt sein. Zwar steht momentan der Schweizer Franken als starke Währung da, doch was, wenn sich weitere Milliardenlöcher auftun? Würde eine eidgenössische Großbank der Krise zum Opfer fallen, dann bliebe auch die Schweiz und ihre Währung davon nicht unberührt (siehe Island). Immer öfter zieht man derzeit Parallelen zu den Zeiten des Börsencrashs 1929 und zur damaligen Weltwirtschaftskrise mit der darauffolgenden Hyperinflation. Was hatte damals bestand, was fiel der Krise zum Opfer? Aktien und Staatsanleihen verloren zum Teil drastisch an Wert. Wer dagegen eine Immobilie hatte, dem konnten selbst Hyperinflation und Währungsreform nichts anhaben.

Inflation: Vorteil für Eigenheimbesitzer

Er profitierte sogar von der Krise: Als Käufer in der Zeit hoher Inflation konnte man den Kredit für ein Haus oder eine Wohnung durch die galoppierende Inflation problemlos zurückzahlen. Zwar wurden Immobilienbesitzer schon 1923 mit einer Hauszinssteuer belegt, und die Rendite war gering. Doch für den, der froh war, ein Dach über dem Kopf zu haben, war das vermutlich das geringste Problem. Nach den Krisenjahren stiegen ab den 1950er Jahren die Grundstückspreise wieder stark an. Auch heute ist die Inflation ein guter Grund, über den Kauf einer Immobilie nachzudenken. Viele Experten sehen sie als logische Folge der massiven Staatsverschuldung. Thomas Straubhaar, Leiter des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts rechnet mit einer Geldentwertung zwischen fünf und zehn Prozent pro Jahr für die Zeit nach 2010. Sein Rat: "Wer kann, sollte in Sachwerte wie Immobilien fliehen". Das Haus oder die Wohnung ist vor der Inflation geschützt und die Finanzierung wird sogar leichter, wenn man sich feste Zinsen über einen längeren Zeitraum gesichert hat. Die bis jetzt noch immer sehr günstigen Zinsen liefern ein weiteres Kaufargument.

Baufinanzierung

Für private Bauherren, die über ein ausreichendes Eigenkapital verfügen, ist die Finanzkrise jedenfalls kein Hindernis. Ein Handwerker oder Rechtsanwalt sollte sein Bauvorhaben ohne weiteres finanzieren können. Unter Umständen mit Hilfe eines Immobilienkredits. Wer jetzt in den gefragten Gegenden Deutschlands (z.B. München) baut oder kauft, kann nichts falsch machen, egal ob er die Wohnung selbst bezieht oder vermietet. Denn gerade bei Mietwohnungen in der Stadt trifft eine steigende Nachfrage auf ein zu geringes Angebot. Immobilien stehen für vieles: Sie vermitteln Sicherheit, sind ein beständiger Sachwert und können auch in Krisenzeiten ein recht rentables Investment sein. Die Frage lautet daher nicht nur: Wohnst du noch, oder lebst Du schon? Sondern: Rechnest Du noch, oder kaufst Du schon?

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